Obedience

 

Was versteht man unter Obedience?

Obwohl Obedience in Deutschland eine noch junge Hundesportart ist, wird dieser faszinierende Sport im Herkunftsland England und in den nordischen Ländern schon seit 20 Jahren betrieben. Übersetzt bedeutet Obedience nichts anderes als Gehorsam, was jedoch die ganze Sache nur sehr untreffend beschreibt. Eine Obedience-Prüfung besteht zwar zu einem recht großen Teil aus Elementen, die z.B. auch bei der Begleithundeprüfung vorkommen, wie Sitz und Platz, Bei-Fuß-Gehen und Apportieren, aber damit enden die Gemeinsamkeiten auch schon. Zusätzlich sind noch viele interessante Elemente eingebaut wie das Suchen von Gegenständen (Eigenidentifikation), Freisprung über eine Hürde, die Distanzkontrolle (Sitz, Platz, Steh aus der Entfernung), das Voraussenden und die Wesensfestigkeit, vor allem mit anderen Hunden zusammen.

Abgesehen von den sehr anspruchsvollen Elementen wie der Distanzkontrolle und der Geruchsunterscheidung fällt die enorme Präzision ins Auge, mit der gearbeitet wird. Der Hund "klebt" am Bein des Hundeführers, hält konstanten Blickkontakt, was oft so aussieht, als "himmle" er seinen Menschen an.
Jede Bewegung des Hundeführers wird simultan vom Hund ausgeführt.
In Wendungen und Winkeln biegt sich der Hund so akkurat, dass er oft vorne noch auf der Stelle steht und nur das Hinterteil herumschwenkt. Egal welche Bewegung der Hundeführer auch macht, der Hund verlässt nie seinen Platz am linken Knie! Außerdem erfolgt die Ausbildung ohne Strafung des Hundes, es wird nur mit Lob und Belohnung gearbeitet. Bei den Wettbewerben ist es untersagt, den Hund zu strafen und der Umgang des Menschen mit seinem Vierbeiner wird bewertet.

Wenn sich auch wohl jeder Hundeführer über gute Ergebnisse bei Prüfungen freut, sind diese Wettkämpfe nur ein kleiner Ausschnitt dessen, was diesen faszinierenden Hundesport ausmacht. Entscheidend ist dabei das Vergnügen und die Herausforderung, die es bedeuten, seinen Hund in diesem Bereich auszubilden. Ein Vergnügen ist es wirklich, wenn man ein wenig das Motto hat: "Der Weg ist das Ziel" und sich nicht selbst mit übertriebenem Ehrgeiz im Wege steht. Um einen derartig freudigen Gehorsam zu erreichen, wie er bei diesem Sport gewünscht wird, ist die wichtigste Übung die Motivation des Hundes aufzubauen und zu erhalten. Dies erreicht man sicherlich am besten mit Positiver Verstärkung. Ungeduld Unbeherrschtheit und Druck bewirken genau das Gegenteil, vor allem bei einem Toller.

Wie auch in allen anderen Bereichen der Ausbildung eines Tollers sollte das Training immer von dem Grundsatz beherrsch sein, alles langsam aber sicher und sauber aufzubauen. Überlegen Sie vor Beginn einer Übungssession, was Sie üben wollen und wie Sie es angehen möchten. Seien sie auf der Hut, Fehler rechtzeitig zu erkennen und nicht erst zum festen Bestandteil einer Übung werden zu lassen. Toller lernen sehr schnell - leider auch manchmal das Falsche! Seien sie bereit sich auf ihren Hund einzulassen, es gibt viele Wege die zum Ziel führen, finden sie den Richtigen für sich und Ihren Hund.

Das wirklich fantastische am Obedience ist, dass es für fast jeden Hund und fast jeden Hundeführer geeignet ist. Es beansprucht den Hund körperlich, aber was viel wichtiger ist, er wird geistig gefordert und gefördert. Gerade für häufig schwer auszulastende Arbeitshunderassen, wie dem Toller, bietet sich die Möglichkeit, den Hund auszulasten ohne dass er dem Hundeführer entgleitet.

 

Die Prüfung

In Deutschland gibt es seit April 2001 eine Prüfungsordnung im Modellversuch, so dass in Deutschland mittlerweile schon einige Prüfungen nach Deutscher Prüfungsordnung ausgerichtet werden konnten.

Folgen Aufgaben müssen Hund und Hundeführer nach der ab dem 01.07.02 geltenden Prüfungsordnung beherrschen:

Beginner-Klasse

Verhalten gegenüber anderen Hunden
Stehen und Betasten
Gebiß zeigen
Ablegen in der Gruppe (2 min. im Platz)
Leinenführigkeit (Bei-Fuß-Gehen an der Leine)
Freifolge (Bei-Fuß-Gehen ohne Leine)
Sitz aus der Bewegung
Kommen auf Befehl
Zurücksenden zum Platz
Apportieren
Umgang Mensch - Hund

Obedience 1

1 Minuten sitzen mit Sichtkontakt
3 Minuten liegen mit Sichtkontakt
Leinenführigkeit
Freifolge
Platz aus der Bewegung um ein Quadrat von 10 mal 10 Metern
Kommen auf Befehl
Zurücksenden zum Platz
Freisprung (hin und zurück) über die Hürde (Schulterhöhe des Hundes)
Apportieren
Kontrolle auf Distanz (Sitz und Platz)
Umgang Mensch-Hund


Kommen auf Befehl (Ablegen in der Box)

Obedience 2

2 Minuten sitzen in der Gruppe mit Sichtkontakt
Minuten liegen in der Gruppe ohne Sichtkontakt
Freifolge
Sitz, Platz aus der Bewegung (Quadrat von 10 mal 10 m)
Kommen mit Platz
Voraussenden in ein Viereck mit hinlegen
Apport über die Hürde (Holzapport)
Metallapport
Geruchsunterscheidung aus maximal 6 Gegenständen
Kontrolle auf Distanz
Umgang Mensch - Hund

Obedience 3 (FCI-Reglement)

Sitzen in der Gruppe während 2 Minuten, ausser Sichtweite
Ablegen während 4 Minuten mit Ablenkung, ausser Sichtweite
Freifolge ( normal, langsam, Laufschritt)
Stehen, Sitzen und Platz aus der Bewegung um ein Quadrat von 10 mal 10 Metern
Heranrufen mit Stehen und Hinlegen
Voransenden in ein Viereck
Bringen auf Anweisung (aus 3 Gegenständen)
Freisprung über die Hürde mit Bringen (Metallgegenstand)
Eigenidentifizieren aus sechs Gegenständen

 

Autor: Silke Sandberg