Die Wahl des richtigen Züchters

 

Der folgende Leitfaden wurde von Janice Madjanovich DVM geschrieben und auf der Homepage des Tollerclub in Ontario veröffentlicht. Manche Dinge wurden an die Verhältnisse in Deutschland angepasst. Wir hoffen, Ihnen damit bei der Auswahl des richtigen Züchters helfen zu können.

Sie haben sich eingehend über die Rasse informiert und sich entschieden, dass Sie der Herausforderung gewachsen sind, mit einem Toller zu leben und ihn zu lieben. Nun ist es an der Zeit, den Züchter auszusuchen. Sie sollten damit beginnen, zumindest mit ein paar verschiedenen Züchtern Kontakt aufzunehmen. Da Toller eine vergleichsweise seltene Rasse sind, werden Sie sich für ihren Welpen wahrscheinlich auf eine Warteliste setzen lassen müssen. Ganz verantwortungsvolle Züchter werden ihre Hündin nicht decken lassen, bevor nicht eine Reihe guter Zuhause auf ihre Welpen wartet.

Nun, nach welchen Kriterien wählt man einen Züchter aus? Sie wollen jemanden, der sowohl mit Sachkenntis als auch mit Verantwortungsbewußtsein züchtet. Ein guter Züchter kennt sich mit dem Rassestandard (einer Art Entwurfskizze der Rasse) aus und kann ihn auch erläutern. Er hat Zuchtziele und eine Zuchtstrategie - er züchtet nicht nach dem Motto "schaun wir mal, was dabei raus kommt" oder nur um Welpen verkaufen zu können. Er ist Mitglied in einem Rassezuchtverein, der von der FCI anerkannt ist, um dort sein Wissen und seine Erfahrungen bezüglich seiner Rasse zu teilen und zu erweitern. Er wird in einem oder mehreren Bereichen mit seinen Hunden aktiv sein, wie z.B. Ausstellungen, Obedience, Dummytraining und/oder dem jagdlichen Bereich, Fährten, Agility, Flyball und der Therapiehundearbeit. Während Championtitel nicht notwendigerweise bedeuten, dass ein Hund auch ein gutes Exemplar für die Zucht ist, zeigen Züchter, die in wenigstens einem, vorzugsweise aber mehreren Bereichen, aktiv sind, dass sie daran interessiert sind, den Typ und das Aussehen, die Intelligenz, die Leistungsfähigkeit und das Wesen der Toller zu bewahren und zu verbessern.

Ein guter Züchter sorgt sich sehr um seine Hunde und was mit ihnen passiert. Seien Sie darauf vorbereitet, ausgefragt zu werden - er möchte sicher gehen, dass sie seinem Welpen ein gutes Zuhause bieten und geeignet für die Rasse sind. Seien Sie vorsichtig bei Züchtern, die nur am Verkauf interessiert sind und nicht an Ihnen oder Ihren Gründen, warum Sie einen Toller möchten. Ein guter Züchter hat Interesse an Ihnen und Ihrem Toller ein Hundeleben lang. Er wird Sie womöglich sehen wollen, während Ihr Hund heranwächst, damit er die Ergebnisse seines Zuchtprogramms beurteilen kann. Er wird Sie zusammen mit Ihrem Welpen mit einem ganzen Paket an Informationen zur Haltung und Pflege versorgen und er wird für Sie da sein, um auch nach dem Kauf Ihre Fragen zur Haltung, der Ausbildung, Fellpflege usw. zu beantworten.

Toller sind im Allgemeinen gesunde Hunde, aber jede Rasse hat mit der Veranlagung zu bestimmten erblichen Krankheiten zu kämpfen. Ein verantwortungsvoller Züchter kennt sich mit den erblichen Problemen beim Toller aus und kann Nachweise vorzeigen, dass bei seinen Zuchttieren die üblichen Untersuchungen gemacht wurden und sie keine auffälligen Befunde zeigen. Seriöse Züchter werden sich freuen, Ihnen die Untersuchungsergebnisse zeigen zu können, die sie von Ihren Zuchthunden erhalten haben. Als absolutes Minimum sollten beim gesamten Zuchtbestand dieHüftgelenke geröntgt und durch eine offizielle Auswertungsstelle als HD A (HD frei), HD B (Übergangsform) oder in Ausnahmefällen als HD C (leichte HD) beurteilt worden sein. Entsprechendes gilt für die Ellenbogengelenke.

Es gibt mehrere erbliche Augenkrankheiten, die beim Toller dokumentiert wurden. Alle Zuchtiere sollten durch einen Tierarzt, der auf Augenkrankheiten spezialisiert ist, untersucht und als frei von Auffälligkeiten diagnostiziert worden sein. Die Ergebnisse der Augenuntersuchungen sind nur für 1 Jahr gültig und müssen jährlich wiederholt werden. Achten Sie also auf das Datum des Zertifikates.

In neuester Zeit wurde für Toller ein Bluttest entwickelt, mit dem ein Markergen nachgewiesen werden kann, das mit den Genen assoziiert ist, die für die progressive Retinaatrophie (PRA) verantwortlich sind. PRA ist eine erbliche Krankheit, die eine allmähliche Degeneration der Netzhaut des Auges verursacht und unter Umständen zum Verlust der Sehfähigkeit führen kann. Durch den Bluttest werden Hunde eingeteilt in PRA A (frei vom betroffenen Gen), PRA B (Träger des betroffenen Gens, aber körperlich normal und ohne das Risiko die Krankheit zu entwickeln) oder PRA C (erkrankt). So lange wenigstens einer der Eltern PRA A ist, wird keiner der Nachkommen jemals PRA entwickeln. Aber auch mit dem Bluttest untersuchte Hunde brauchen eine tieraugenärztliche Untersuchung auf andere Augenkrankheiten. Mehr dazu finden Sie im Bereich "Pflege/Haltung" unter "Gesundheit".

Viele Züchter lassen ihre Hunde auch auf andere gesundheitliche Probleme wie Schilddrüsenunterfunktion und eine Erkrankung der Nebennieren (Addison's Krankheit) untersuchen. Da in letzter Zeit bestimmte Herzerkrankungen als mögliches Problem in dieser Rasse erkannt wurden, lassen viele verantwortungsvolle Züchter ihre Hunde von einem Tierarzt untersuchen, der sich auf Herzerkrankungen spezialisiert hat. Epilepsy, Autoimmunerkrankungen (z.B. Lupus erythematodes), Chondrodysplasie und Megaösophagus kommen bei der Rasse vor. Fragen Sie danach.

Da keine Zuchtlinie absolut frei von diesen Erbkrankheiten ist und alle Toller miteinander verwandt sind, müssen Züchter sich darüber bewusst sein, welche Probleme möglicherweise auftauchen.

Da es von gesetzlicher Seite her kaum Vorschriften zur Hundezucht gibt, sollten Sie mit dem Züchter auf jeden Fall einen schriftlichen Kaufvertrag schließen. Im Deutschen Retriever Club (= DRC) gezüchtete Toller sind im Stammbuch des DRC eingetragen und erhalten Abstammungsnachweise, die vom Verein für das Deutsche Hundewesen (= VDH) und allen der FCI angegliederten Rassezuchtvereinen anerkannt werden. Zur Identifizierung muss jeder Welpe mit einem Chip versehen sein, manche sind zusätzlich tätowiert.
Auf jeden Fall sollte ein individueller Kaufvertrag abgeschlossen werden, bei dem Sie jedoch sicher gehen sollten, dass die vereinbarten Bedingungen für Sie akzeptabel sind.

Von vielen Züchtern erhalten Sie eine Gesundheitsgarantie mit der Auflage, dass der Welpe innerhalb von 24 oder 48 Stunden von einem Tierarzt untersucht werden muss. Eine Gesundheitsgarantie schließt natürlich nicht aus, dass ein Hund irgendwann einmal ein gesundheitliches Problem entwickelt.

Es ist unmöglich, mit absoluter Sicherheit vorherzusagen, dass jeder einzelne Welpe eines jeden Wurfes immer absolut gesund und vom Wesen her in Ordnung sein wird. Trotz bester Vorsichtsmaßnahmen kann selbst bei guten Züchtern und ihren Hunden etwas schief gehen. Eine Gesundheitsgarantie ist für Sie die Zusicherung, dass der Züchter gewillt ist, die Verantwortung für seine Hunde zu übernehmen und Ihnen eine gewisse Entschädigung anzubieten, falls Ihr Welpe bestimmte gesundheitliche Probleme entwickelt.

Eine Entschädigung besteht üblicherweise in der Zurücknahme des Welpen und/oder der Erstattung eines Teils oder es gesamten Welpenpreises. Ein engagierter Züchter wird immer einen Hund aus seiner Zucht zurücknehmen, wenn Sie nicht mehr in der Lage sind, ihn zu behalten, wobei aber die Erstattung des Kaufpreises bei einem erwachsenen Hund nicht üblich ist.

Nachdem Sie sich ausführlich mit einem Züchter unterhalten haben und ein gutes Gefühl zu ihm haben, vereinbaren Sie einem Besuch bei seinem Zwinger (es sei darauf hingewiesen, dass viele Züchter nur dem Namen nach einen ‚Zwinger' haben. Ihre Toller leben als geschätzte Familienmitglieder im Haus). Es sollte dort sauber sein, die Hunde sollten gesund und gut gegflegt erscheinen, nicht schmutzig oder ungebürstet. Wenn möglich, lernen Sie alle Hunde kennen. Auf alle Fälle sollten Sie die Mutter Ihres potentiellen Welpen kennen lernen.

Es kann sein, dass der Vater nicht in der Nähe lebt, aber es sollte Photos oder ein Video von ihm geben. Achten Sie darauf, ob die Hunde des Züchters ihrem Wesen nach Ihren Vorstellungen entsprechen.

Die verschiedenen Zuchtlinien unterscheiden sich in ihrem Temperament (manche bevorzugen aktive, andere wieder eher ruhige Toller, wobei jedoch alle Toller ziemlich energiegeladene Hunde sind). Es ist nicht ungewöhnlich, wenn sich Toller gegenüber Menschen, die sie gerade erst kennengelernt haben, zurückhaltend verhalten und ihre wahren Gefühle für ihre Besitzer aufsparen. Trotzdem sollten sie sich Ihnen gegenüber gesittet verhalten. Kein Toller sollte scheu sein, sich vor Ihnen verkriechen oder aggressiv sein. Seien Sie besonders vorsichtig, wenn der Züchter mit seinen eigenen Hunden Schwierigkeiten im Umgang hat. Auch wenn die Aussage stimmen mag "Ach, die Hündin wurde nicht richtig sozialisiert", kann es genauso gut sein, dass sie schlicht und einfach ein schlechtes Wesen hat. Sie werden nicht das Risiko eingehen wollen, dass Ihr Welpe das erbt.

Nun wissen Sie, auf was Sie bei der Wahl eines Tollerzüchters achten müssen. Es scheint viel zu sein, aber Toller sind es wert. Besuchen Sie so viele Zuchtstätten wie möglich, verbringen Sie viel Zeit, um sich mit Züchtern zu unterhalten und ihre Hunde kennenzulernen. Nehmen Sie sich die Zeit und entscheiden Sie sich mit Sorgfalt und gut informiert. Wie schon gesagt - Toller sind es wert!

 

Vielen Dank an Janice Madjanovich!

Links:

Augen auf beim Welpenkauf (DRC)

 

 

 

Übersetzung und Anpassung: Silke Sandberg

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